könnte mal wieder übers Kämpfen schimpfen
Ich könnte mal wieder übers Kämpfen schimpfen. Dabei habe ich mich dort eigentlich schon sehr deutlich dazu ausgedrückt.
Der nächste Fall steht an. Ich nenne sie jetzt mal Ines. Seit Jahren psychisch krank. Depressionen, wie sie sagt. Da sie mir immer irgendwie crazy vorkommt, denke ich schon längst, dass Depressionen nicht alles sein können.
Ines ist stolz darauf, sich aus der Krankheit rausgekämpft zu haben. Man muss kämpfen, meint sie, sonst kommt man da nicht raus.
Wie schon geschrieben, ich bin anderer Meinung. Das Kämpfen nützt gar nichts, das ist destruktiv, v.a. auch für einen selbst. Frieda zum Beispiel (ich habe sie hier mal so genannt, als ich über ihre Ergotherapeutin nachdachte), Frieda ist seit über sechs Monaten in der Klinik (Psychiatrie). Völlig fertig. Es geht nichts mehr.
Frieda hat 20 Jahre Psychiatrieerfahrung. Und ich darf sagen, dass Frieda sich durch ihre (rücksichtslose) Kämpferei (die von Ines sehr bewundert wird) selbst fertig gemacht hat. Selbst nach dem dritten Klinikaufenthalt hat sie noch studiert. Ein heftiges Studienfach übrigens, in dem die Studenten sehr gefordert werden.
Bei Frieda kann ich mir denken, dass sie auch viel mit schierer Willenskraft gemacht hat (zum Kämpfen braucht es Kraft - die oft genug noch aus Freunden ausgesaugt werden soll ([Sarkasmus]Dafür sind Freunde da.[/Sarkasmus]). Wenn man älter wird, wird die Kraft weniger. Und wenn man vorher schon Raubbau getrieben hat, dann ist umso weniger da. Sprich, da schlägt das Alter zu.
Wie gesagt, bei Frieda geht gar nichts mehr. Nichts. Ich könnte mir vorstellen, dass sie nichtmal mehr in einem Heim mit Rundumversorgung (nach der sie sich sehnt, aber nicht zugeben kann, sondern unausgesprochen von ihren Freunden einfordert) auflebt.
Ines sieht das zwar und äussert sich besorgt, aber lernen tut sie nichts. Sie kämpft weiter. Wie gesagt, es ging ihr nie um das Verständnis ihrer selbst, ihrer Krankheit, sie hat immer gekämpft.
Tja, zur Zeit scheint sie mir manisch. Für mich nicht zu ertragen. Ich meine, es könnte schlimmer sein, ich ertrag es trotzdem nicht. (Gerade über Hypomanie nachgelesen. Das scheint bei ihr zuzutreffen.) Also von wegen "nur" Depressionen. Durchs Kämpfen hat sie sich jahrelang blind gemacht für sich selbst und damit auch einer ordentlichen Behandlung (lange war sich auch nur in Behandlung bei ihrem Hausarzt, und nicht beim Psychiater).
Für psychische Erkrankungen nimmt man heute das Vulnerabilitäts-Stress-Modell an. Man sieht also eine Mischung aus Veranlagung und Stress, unter dem eine Person steht. Kämpfen ist Stress. Erheblicher Stress.
Mal sehen, wie es bei Ines weitergeht. Mein nächster Schritt wird sein, sie zu ihrem Psychiater zu schicken und das mit der Manie abzuklären.
Warum ich gerade so verärgert bin: Ines scheint mit ihren Mitmenschen auf gewisse Art zu spielen. Das kommt von der Kämpferei, aber bei Manie braucht mich das auch nicht zu wundern.
(Und eigentlich wollte ich noch was anderes zu Hypomanie im Zusammenhang mit der Kämpferei schreiben, finde aber die Quelle nicht mehr. Im Internet ändert sich halt laufend alles.)
Hm, ich habe hier ein bisschen ins Unreine gedacht. Aber es hat mir geholfen.
Nachtrag:
Keine Mail von ihr seit gestern. (Habe geschrieben, sie sei übersprudelnd. Da käme ich nicht hinterher.) Hm, die wusste wohl von ihrer Manie. Und hat sie versteckt.
Sauber.
Der nächste Fall steht an. Ich nenne sie jetzt mal Ines. Seit Jahren psychisch krank. Depressionen, wie sie sagt. Da sie mir immer irgendwie crazy vorkommt, denke ich schon längst, dass Depressionen nicht alles sein können.
Ines ist stolz darauf, sich aus der Krankheit rausgekämpft zu haben. Man muss kämpfen, meint sie, sonst kommt man da nicht raus.
Wie schon geschrieben, ich bin anderer Meinung. Das Kämpfen nützt gar nichts, das ist destruktiv, v.a. auch für einen selbst. Frieda zum Beispiel (ich habe sie hier mal so genannt, als ich über ihre Ergotherapeutin nachdachte), Frieda ist seit über sechs Monaten in der Klinik (Psychiatrie). Völlig fertig. Es geht nichts mehr.
Frieda hat 20 Jahre Psychiatrieerfahrung. Und ich darf sagen, dass Frieda sich durch ihre (rücksichtslose) Kämpferei (die von Ines sehr bewundert wird) selbst fertig gemacht hat. Selbst nach dem dritten Klinikaufenthalt hat sie noch studiert. Ein heftiges Studienfach übrigens, in dem die Studenten sehr gefordert werden.
Bei Frieda kann ich mir denken, dass sie auch viel mit schierer Willenskraft gemacht hat (zum Kämpfen braucht es Kraft - die oft genug noch aus Freunden ausgesaugt werden soll ([Sarkasmus]Dafür sind Freunde da.[/Sarkasmus]). Wenn man älter wird, wird die Kraft weniger. Und wenn man vorher schon Raubbau getrieben hat, dann ist umso weniger da. Sprich, da schlägt das Alter zu.
Wie gesagt, bei Frieda geht gar nichts mehr. Nichts. Ich könnte mir vorstellen, dass sie nichtmal mehr in einem Heim mit Rundumversorgung (nach der sie sich sehnt, aber nicht zugeben kann, sondern unausgesprochen von ihren Freunden einfordert) auflebt.
Ines sieht das zwar und äussert sich besorgt, aber lernen tut sie nichts. Sie kämpft weiter. Wie gesagt, es ging ihr nie um das Verständnis ihrer selbst, ihrer Krankheit, sie hat immer gekämpft.
Tja, zur Zeit scheint sie mir manisch. Für mich nicht zu ertragen. Ich meine, es könnte schlimmer sein, ich ertrag es trotzdem nicht. (Gerade über Hypomanie nachgelesen. Das scheint bei ihr zuzutreffen.) Also von wegen "nur" Depressionen. Durchs Kämpfen hat sie sich jahrelang blind gemacht für sich selbst und damit auch einer ordentlichen Behandlung (lange war sich auch nur in Behandlung bei ihrem Hausarzt, und nicht beim Psychiater).
Für psychische Erkrankungen nimmt man heute das Vulnerabilitäts-Stress-Modell an. Man sieht also eine Mischung aus Veranlagung und Stress, unter dem eine Person steht. Kämpfen ist Stress. Erheblicher Stress.
Mal sehen, wie es bei Ines weitergeht. Mein nächster Schritt wird sein, sie zu ihrem Psychiater zu schicken und das mit der Manie abzuklären.
Warum ich gerade so verärgert bin: Ines scheint mit ihren Mitmenschen auf gewisse Art zu spielen. Das kommt von der Kämpferei, aber bei Manie braucht mich das auch nicht zu wundern.
(Und eigentlich wollte ich noch was anderes zu Hypomanie im Zusammenhang mit der Kämpferei schreiben, finde aber die Quelle nicht mehr. Im Internet ändert sich halt laufend alles.)
Hm, ich habe hier ein bisschen ins Unreine gedacht. Aber es hat mir geholfen.
Nachtrag:
Keine Mail von ihr seit gestern. (Habe geschrieben, sie sei übersprudelnd. Da käme ich nicht hinterher.) Hm, die wusste wohl von ihrer Manie. Und hat sie versteckt.
Sauber.
7 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
ulf_der_freak (Gast) - 9. Aug, 14:22
Man darf sich zwar auch nicht der Depression ergeben. Aber zu kämpfen ist mühsamer als man Kraft hat. Ich versuche, sie vorbei laufen zu lassen.
Violine - 9. Aug, 14:34
Ich rede ja auch nicht davon, sich zu ergeben.
Du machst es richtig. Du lernst zu verstehen und mit der Einschränkung umzugehen. Und eben nicht mit aller Kraft mit dem Dickschädel durch die Wand.
Du, Ulf, Du als erfahrener Pfleger: Was bringt denn die Leute dazu, nicht mit der Einschränkung umgehen lernen zu wollen, eben nicht verstehen zu wollen, sondern einfach nur kämpfen wie die Letzten?
Du machst es richtig. Du lernst zu verstehen und mit der Einschränkung umzugehen. Und eben nicht mit aller Kraft mit dem Dickschädel durch die Wand.
Du, Ulf, Du als erfahrener Pfleger: Was bringt denn die Leute dazu, nicht mit der Einschränkung umgehen lernen zu wollen, eben nicht verstehen zu wollen, sondern einfach nur kämpfen wie die Letzten?
ulf_der_freak (Gast) - 9. Aug, 14:58
Das ist eine gute Frage. Bei manchen habe ich den Eindruck, sie WOLLEN sogar krank sein. Andere habe ich kennengelernt, denen machte gute Stimmung Angst, weil unbekanntes Gefühl. Aber bei den meisten glaube ich stellt die Depression genau das Bein, auf das man sich stellen sollte. Sie verhindert das wollen.
Violine - 9. Aug, 15:03
Und wie ist das bei anderen Behinderungen/Einschränkungen als Depression? Die aufgeführte Ines will nicht von ihrer manischen Seite lassen, meine Mutter konnte die Aspie-Seite nicht akzeptieren und mein Vater ist sowieso ein Wickelkind (ich wurde des öfteren gefragt, ob er nicht manisch-depressiv sei). Frieda leidet laut eigenen Angaben unter eine Psychose (näher hat sie es nicht definiert, vielleicht geht es auch schwer).
ulf_der_freak (Gast) - 9. Aug, 15:06
Da stecke ich nicht so drin...
Violine - 9. Aug, 15:12
Da steckst Du wirklich nicht drin, das stimmt. Du bist sozial kompetent.
Hm, ich habe mir gedacht - wenn ich so an meine Mutter denke - dass dieses Kämpfen vielleicht ein Gefühl der Macht, der Stärke vermittelt.
Hm, und vielleicht ein Nicht-zugeben-Können, dass die Menschen ohnehin unterschiedlich sind. Der Glaube an allgemeine Richtlinien? Hm. Also so ein Dazugehören wollen. Frieda zum Beispiel redet - obwohl ganz schwer psychisch krank - immer noch vom Gesund-Werden.
Hm, ich frage mal Holly.
Hm, ich habe mir gedacht - wenn ich so an meine Mutter denke - dass dieses Kämpfen vielleicht ein Gefühl der Macht, der Stärke vermittelt.
Hm, und vielleicht ein Nicht-zugeben-Können, dass die Menschen ohnehin unterschiedlich sind. Der Glaube an allgemeine Richtlinien? Hm. Also so ein Dazugehören wollen. Frieda zum Beispiel redet - obwohl ganz schwer psychisch krank - immer noch vom Gesund-Werden.
Hm, ich frage mal Holly.
Violine - 9. Aug, 15:38
Ulf und ich unterhalten uns gerade auf Twitter noch so drüber.
Er sagt, durch das Kämpfen kann man wunderbar sein Leiden zelebrieren.
Das stimmt, muss ich sagen, das sehe ich bei allen Kämpfen, die mir in den Sinn kommen, ganz egal, was das eigentliche Grundproblem ist.
Er sagt, durch das Kämpfen kann man wunderbar sein Leiden zelebrieren.
Das stimmt, muss ich sagen, das sehe ich bei allen Kämpfen, die mir in den Sinn kommen, ganz egal, was das eigentliche Grundproblem ist.
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