aus der Provinz

Montag, 22. September 2008

nicht lesbar

Ab und zu schaue ich virtuell in der alten Heimat vorbei, in der Zeitungspräsenz. Heute war ein Artikel drin, der mir in Erinnerung ruft, dass die Republikaner dort ganz schön Prozente ergattern. Der Artikel ist so was von rechts, wenn nicht schon gar braun.
Es geht um die Hartz-IV-Abzocker (das sollte ich eigentlich in Anführungszeichen setzen). Ein gewisser Herr Scholz, seines Zeichens Arbeitsminister, ruft nach schärferen Kontrollen der Hartz-IV-Empfänger. Das sehe man im Job-Center Heidenheim gelassen, weil blablabla sie so gut organisiert seien. Dann wird der ganze Ablauf beschrieben. Am Ende kommt raus, dass es nur wenige Betrüger gebe und Zitat:Ein unterm Strich sehr kleiner Kreis, der freilich die ganze Härte des Gesetzes zu spüren bekommt: [Aufzählung der Massnahmen]Was für eine Formulierung: Die ganze Härte des Gesetzes! Hatten wir solcherlei Reden nicht schon mal? Von wegen Durchgreifen gegen Sozialschmarotzer, Gesindel,... und so? Mit der "ganzen Härte"?

Kann man ja nicht lesen!!!!

Wie froh bin ich, dass ich da nicht mehr wohne!!!

Nachtrag:
Die Betonug auf Sauber-Job-Center ist auch unerträglich: Die "Guten", die sich alles erlauben können, demgegenüber die "Schlechten", die alles erdulden müssen.

Samstag, 26. Juli 2008

die liebe Familie

Ich bin so froh, dass ich es hinter mir habe. Puuuuuh.
Das hört sich wenig nett an. Böse sind meine Leute nicht, auch nicht irgendwie schlecht, aber wir passen einfach nicht zu einer engen Gemeinschaft zusammen. Völlig daneben.

Mittwoch, 9. Juli 2008

Asperger-Anekdoten

Ich habe mittlerweile festgestellt, dass ich sechs Asperger kenne. Zwei davon sind diagnostiziert und haben ihren Schwerbehindertenausweis, bei den vier anderen erhellt Asperger reichlich einiges.
Gestern nachmittag habe ich mich dann über einige Asperger-Aspekte amüsiert. Es sind ja keine bösen Leute - obwohl manches bös rüberkommen kann, unterbelichtet in der sozialen Interaktion wie sie sind, alles mit dem Intellekt und "Logik" beleuchtend.

Eine Anekdote möchte ich erzählen. Es geht darum, wie mit Logik jongliert wurde.

Ich hatte früher Schule aus, hatte schon gegessen, saß am Tisch und machte meine Hausaufgaben.
Da kommt mein Bruder heim, holt sich sein Mittagessen aus der Küche, setzt sich zu mir an den Tisch und meint: "Ruhe, ich ess jetzt!"

Dienstag, 31. Juli 2007

heiß auf Nachrichten

Heiß auf Schauernachrichten, Nachrichten aus dem Grab oder so. So oder so ähnlich muß ich wohl bei meiner Familie sagen.
Ich hab' dieses Jahr die Leiche aus dem Keller der Familie ausgegraben (ich war so stinksauer). Und jetzt scheint es so, als seien die total neugierig / begierig darauf.

Aber ich muß sagen, es ist mir recht. Ich komme zwar nicht so schnell hinterher, weil ich im Moment auch andere Prioritäten habe. Doch wenn sie sich so sehr dafür interessieren, dann arbeiten sie auch daran, und dann kann man hoffentlich endlich miteinander leben.

Dienstag, 20. Februar 2007

ein Jobvorschlag

Mein Vater - er ist einigermaßen schrill in seiner Denkweise - hat mir einen ganz besonderen Jobvorschlag gemacht: Herrschaftsfahrerin.
Er hat mir nämlich vor kurzem einen Überraschungsbesuch abgestattet, und dabei sind ihm meine Fahrkünste aufgefallen. Die seien einmalig sagt er, einmalig. Also könnte ich doch in einem Unternehmen Herrschaftsfahrerin machen (so überzeugt ist er von meinem Fahrstil).

Was meint ihr, soll ich Jürgen Schrempp durch die Gegend kutschieren? Oder Angela Merkel?

Donnerstag, 18. Mai 2006

Ruf aus der Provinz

Mein Vater ist eine alte Glucke. Jetzt will er mir anschaffen, daß ich mich bei Voith bewerbe. Und dann bei ihm daheim wohne.

Nur nicht! Bloß nicht! Ich weiß gar nicht, was ich dort soll, ich würde versauern. Was er sich natürlich nicht vorstellen kann. Mal kurz auf Besuch, das ist recht, aber sonst? Ich bin immer froh, wenn ich wieder weg bin.
Alles, was ich hier habe, aufgeben? Verrückt!

Nachtrag:
Ich hab so den Eindruck, bei meinem Vater geht vorwärts und rückwärts, vorwärts und rückwärts. Im Rückblick auf das heutige Telefonat habe ich den Eindruck, daß es ihm am Ende doch gereicht hat, daß ich mit ihm geredet habe.
Heute würde man sagen, ach, der Mann ist alt. Aber ehrlich: Früher war er unausstehlich, und da konnte man das nicht aufs Alter schieben.

Freitag, 10. März 2006

zum Psychiater

Gestern habe ich einen wichtigen Telefonanruf bekommen, heute bin ich immer noch ganz erledigt. Vor Erleichterung. Riesengroßer Erleichterung.

Mein Vater hat seit neuestem Alpträume. Er hat mir davon erzählt. Hört sich an wie eine üble Szene aus deutscher Vergangenheit (i.e. Drittes Reich). Deswegen geht er nun zum Psychiater. Freiwillig. Gerne.

Ich bin so froh. Da hätte er schon seit Jahrzehnten hingehört, denn irgendetwas treibt ihn ganz bös um. So sehr, daß meiner Mutter nichts anderes übrigblieb, als (schon vor Jahrzehnten) die Scheidung einzureichen. Es war unterträglich mit ihm. Ich selbst hab mich auch irgendwann einfach von ihm getrennt, weil es einfach nicht mehr ging. Unerträglich war.
Als er in Rente war, ist es besser geworden. Weil der Druck aus der Arbeit gefehlt hat. Desweiteren hat er eine Lebensgefährtin, die eine Seele von Mensch ist. Von ihr nimmt er viel Gutes an. Das geht nun so weit, freiwillig und gerne zum Psychiater zu gehen. Wäre früher undenkbar gewesen. Aus der Welt.
Stattdessen immer der Druck auf mich, meine Vergangenheit zu bearbeiten. Sonst würde es mir nie gut gehen. Und überall hat er rumtrompetet, er würde sich große Sorgen um mich machen. Wer denkt schon dran, daß das nichts mit mir, sondern ausschließlich mit ihm zu tun hat?

Ich bin so erleichtert, ich bin ganz groggy.

Normalerweise poste ich so etwas nicht, aber das hier muß sein. Und es ist ungefährlich. Keiner aus seinem Umfeld (und auch er selbst nicht) liest dieses Blog. Internet ist da was Unbekanntes und Blogs? Die sind unbegreiflich.

Nachtrag: Ich fühl mich jetzt sooooo befreit. Ist das herrlich, endlich diesen Scheiß los zu sein!!!!! Diese widersinnigen Ansprüche an mich, z.B. Endlich los! Juhuuuu!!!!

Freitag, 3. Februar 2006

Söhne und Töchter der Stadt

Beim Recherchieren über Margarete Steiff hab ich mir auch den Wikipedia-Eintrag zu Giengen angeguckt. Da steht Erstaunliches drin, und zwar unter Söhne und Töchter der Stadt. Unter ganz honorigen Leuten steht da einer (mit Verlinkung) der muß so braun gewesen sein, brauner ging's nicht! Oh Mann, davon wußte ich noch gar nichts. (Irgendwann muß ich mal nachfragen, denn der Nachnahme kommt mir schon bekannt vor. Ein Stadtrat hieß so - aber mit anderem Vornamen.) Das sind ja Dinge!
Ich konnte davon nichts wissen, denn in meiner Familie - der Teil der Familie, der aus der Gegend stammt - sind die Sachen aus dieser Zeit nicht so sehr erzählt worden. Wobei man das meiner Oma nicht verdenken kann, sie war Kriegerwitwe. Sie wollte bestimmt nichts mehr hören und sehen, sie hatte genug mit dem Leben zu kämpfen.
Meine Mutter hat mir erzählt, daß sich nach Kriegsende zu Zeiten der Entnazifizierung etliche umgebracht hätten (mit der Pistole). Von diesem Vorzeigenazi hat sie mir nichts erzählt. Wahrscheinlich wußte sie es nicht.

Steiff Erlebniswelt

So heißt das Museum, das vor einem halben Jahr von Steiff neu eröffnet wurde.
Das Museum an sich gab es schon lange, mit verschiedenen aufgebauten Szenerien, wie man es auch z.B. aus dem Schaufenster vom Kaufhof in MA in der Weihnachtszeit kennt.

Das neue Museum nun ist hochprofessionell und einen Besuch wert. Im Erdgeschoß ist der firmeneigene Verkaufsraum und ein Bistro. Und der Eingang zum Museum. Es ist immer ein geführter Museumsbesuch, wobei der Führer eigentlich gar nichts sagt, er führt nur die Besucher von einem Erlebnisort zum nächsten.
Am ersten Ort ertönt die Stimme von Margarete Steiff (nicht auf schwäbisch, keine Sorge) und erzählt aus ihrem Leben. Die Zuschauer sitzen (nach hinten immer weiter erhöhten) Bänken, lauschen ihrer Stimme, schauen in ihre Stube und passend zum Text bewegt sich mal die Nähmische mal sonst etwas in Margaretes Raum.
Hochprofessionell gemacht, für manches kleine Kind wohl auch nicht gerade geeignet, weil ein Kind nicht realisiert, daß da keine Gespenster am Werk sind.
Nach dieser Vorstellung geht es in den Nebenraum. Ein Bär erzählt. Genau, es geht um Richard Steiff mit seinen Verdiensten um den Teddy-Bären. Auch hier wieder allerlei Bewegtes, zeitgenau abgestimmt.
Die Geschichte ist vorbei, man fährt - ohne den halboffenen Raum zu verlassen - zwei Stockwerke hoch in die Lüfte, in die Wolken. In den Wolken trifft man den Teddy Knopf und die Puppe Frieda und man tritt mit ihnen eine Abenteurreise durch die Steiff-Welt an. Die verlorenen 3000 Teddy-Bären müssen gefunden werden. Im Wasser, am Polarkreis, auf der ganzen Welt.
Nach überstandenem Abenteuer und damit großer Sightseeingtour verläßt man den geführten Bereich und kann sich auf zwei Stockwerken selbst im Museum umtun.
Im zweiten Stock ist eine Szenerie aufgebaut, wie man sie schon lange von Steiff kennt. Ich glaube, diese Szenerien wechseln auch von Zeit zu Zeit. Im Stockwerk drunter sind viele, viele, viele Schaustücke mit Erklärungen, es gibt einen eigenen Raum, in dem man beispielhaft die Fertigung begucken kann. Da sitzen echte Leute, mit denen man auch reden kann.
Als Abschluß gibt es eine Fotostation mit der Möglichkeit, ein Erinnerungsfoto mitzunehmen.

Sonntag, 8. Januar 2006

sehr traditionelles Kinderfest

Mit dem Kai war ich heute im Orange und er hat sich die Biographie von Margarete Steiff angeguckt. Ich hab ihm einige Bilder erklärt. Da war doch tatsächlich das Kinderfest dabei. Das Kinderfest ist in Giengen sehr traditionell, jedes Jahr begangen an Pfingstdienstag, sozusagen dem Nationalfeiertag in Giengen. Nun, in dieser Biographie stand, daß dieses Kinderfest aus dem 17. Jahrhundert stammt! Das ist nun wirklich sehr traditionell.
Morgens um 6.00 Uhr geht es los mit dem Böllerschießen vom Bruckersberg. Daraufhin ziehen bis um 7.00 Uhr Spielmannszüge durch die Straßen.
Die Kinder sammeln sich in klassenweise und dort wiederum in Paaren. Voraus geht derjenige mit dem Maibaum der Klasse (ein kleines Birkenstämmchen behangen mit dem Maiband jedes Kindes). Dazwischen die Spielmannszüge. Die Stadt ist mit Wimpeln bunt geschmückt, es geht auf den Marktplatz, Liedersingen. (Ich glaube, Gottesdienst ist auch noch.) Dann hoch auf den Schießberg, in den Tanzkreis. Mehrere Kreise konzentrisch angeordnet, in denen die Kinder laufen. Rings um jeden Kreis stehen in einigem Abstand Mitarbeiter der Stadt und geben einen Stab von einem Paar zum nächsten. Die Musik läuft, bricht auf einmal ab (ich hatte mir mal sagen lassen, daß da ein Docht als Zeitmaß abgebrannt wird). Die Paare, die zu diesem Zeitpunkt einen Stab haben, rennen zur Mitte, zum Gabentisch und jeder von ihnen bekommt ein Geschenk.
Nachmittags gibt es verschiedene Wettkämpfe wie Eierlaufen, Seilziehen, Zitterbalken, Stötzleslaufen. Auch hier werden wieder - teils sehr hochwertige - Geschenke verteilt. Die Jungs klettern einen Kletterbalken hoch, hoch oben ist ihr Geschenk befestigt.
Es ist Rummel, Autoscooter, Kettenkarussell und so wie z. B. Ponyreiten. Jedes Jahr das Gleiche. Daneben die Jahrgangsfeiern.
Um 16.00 Uhr die Polonäse der feiernden Jahrgänge im Tanzkreis.
Um 19.00 Uhr dann Abmarsch zur Stadtkirche, wo der Pfarrer die Steffelespredigt hält (weil er sie auf den Stufen spricht).
Ja, sehr traditionell das Ganze. Daneben verblassen sämtliche neumodischen Kinderfeste (vielleicht arrogant von mir, aber ich kann die jüngeren Dinger einfach nicht richtig für voll nehmen):

Herzensdinge

immer aktuell, nicht einfach tagesaktuell. Wer möchte, kann immer noch seinen Senf dazugeben:

- "Die fünf Sprachen der Liebe" von Gary Chapman - Was ist Euch lieber, Liebe oder Verliebtheit?
- Unterschied zwischen Liebe und Verliebtheit

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