Samstag, 19. Mai 2018

hochgezüchtet

Ich schlage mich gerade mit Orchesterfragen herum.
Unser Dirigent ist musikalisch super, aber menschlich hat er zu kämpfen. In meinen Augen hängt er das Kasperle raus, andere haben eine andere Perspektive drauf und sagen, er spielt die Mitglieder des Orchesters gegeneinander aus (ja, er ist provokant, und weil ich das nicht verstehe, und seine Reaktionen überzogen finde, kommt er mir vor wie ein Kasperle). Mir scheint, kaum einer nimmt ihn noch so richtig ernst.

Ja, und jetzt frage ich mich, was ich musikmässig mache. Nach dem Konzert im Juli wird erstmal Schluss sein, aber den Schlusspunkt hat er schon selbst gesetzt (wie und was lasse ich jetzt weg). Ich habe genug von Kasperle. Klar gibt es hier noch mehr Orchester (Studentenorchester zumeist, aber auch eines, in dem ich mir vorstellen kann zu spielen - auch schon eingeladen worden bin -, aber bei dem liegen für mich die Probentermine ungünstig), doch irgendwie habe ich den Eindruck, alle (oder die meisten) Dirigenten haben einen Hau. Hochgezüchtete Geschöpfe, bei denen die menschliche Entwicklung / der menschliche Erfahrungs- und Verarbeitungshorizont auf der Strecke geblieben ist.

Was will ich damit? Und nicht nur ich, auch die anderen! Wir haben im Orchester Leute, die in ihrem Leben fachlich viel geleistet haben, die aber auch menschlich gute Entwicklungen durchgemacht haben. Ich denke, noch ein Kasperle will keiner.

So überlege ich und bin mal wieder gegen das Hochzüchten und die Monokultur.

Meine Gedanken wandern weiter, wandern zu einer längst verstorben Freundin. Ich werde sie hier Anna nennen. Anna wollte Physik studieren, sah dann aber davon ab, als sie im Studentenbüro bei der Einschreibung dämlich begrüsst worden war mit "Aber sie sind doch eine Frau!". Anna wäre heute so um die 60, und damals, zu ihren Jugendzeiten, gab es noch kein Bewusstsein für Frauen in der Physik. Und so hatte sie es aufgegeben und wurde MTA. An ihr habe ich gesehen, dass es auch nichts bringt, wenn man in der Ausbildung nie an seine Grenzen kommt. Diese Leute suchen ständig nach einer Herausforderung, auch wenn es nichts (mehr) bringt.

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steppenhund - 19. Mai, 11:39

zur Musik

Eigentlich gehört es ja zu dem vorigen Eintrag, aber hier denke ich passt es auch
(Eigentlich wäre das ja eine private Konversation, aber es hat sich einfach so auf Facebook ergeben. W.T. ist Konzertpianist und hat an der Bruckneruniversität in Linz erinnert.)


Was man in Musik machen kann ...

Hans Hartmann
May 17 at 3:27pm ·
Jetzt habe ich die Information erhalten, dass ich am 13. oder am 14. Oktober den Konzertsaal in der Musikschule Perchtoldsdorf bekommen kann. Das ist ja ein "Zwischenjahr" zwischen 65. und 70. Geburtstag. Aber ich sollte doch wenigstens zwei, besser drei Beethoven-Sonaten spielen, um meinem "Pensionslebenswunsch" zu erfüllen. Jetzt überlege ich, welche ich üben soll. Die Appassionata geht sich nicht aus, weil es ja die Sommerferien dazwischen gibt. Vielleicht spiele ich drei einfachere und einen Brahms. (Ausnahmsweise ist kein Schubert geplant.) Und als Zugabe das Scherzo von Borodin?! Das würde mir gefallen. Siehe

Comments

Wilhelm Trübler
Wilhelm Trübler Programm Vorschlag:
Beethoven op. 22, 31/3
Brahms: op. 24
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Hans Hartmann
Hans Hartmann Also Beethoven op. 31/3 passt. Das war sowieso in der näheren Wahl. Opus 22 müsste ich komplett neu üben. Da würde ich momentan lieber opus 10 1,2,3 abhaken :)

Hans Hartmann
Hans Hartmann Brahms opus 24 ist mir zu schwer! Da würde ich noch eher an opus 5 denken :) Von der habe ich zumindest 3,5 Sätze einigermaßen drauf. Nur der dritte Satz würde mir echte Schwierigkeiten bereiten. Aber opus 24? Nur weil Du das gespielt hast, heißt das noch lange nicht, dass ich das kann :(

Hans Hartmann
Hans Hartmann Noch zur Erklärung: die opus 10 Sonaten habe ich schon lange immer wieder einmal gespielt. Aber nie so ganz richtig geübt. Opus 10/1 habe ich jetzt zuletzt einmal geübt. Opus 10/2 habe ich während meines Technikstudiums geübt, die halte ich sogar für leicht, wenn man vom letzten Satz absieht. Aber den habe ich unheimlich gern. Und Opus 10/3 habe ich im privaten Rahmen schon einmal vorgespielt. Mein Anspruch ist ja der, die Sonaten so spielen zu können, dass ich mich nicht genieren muss. Und das bedeutet, dass die Zuhörer das Gehörte für großartig halten soll, nicht mein Spiel sondern den Beethoven.
Opus 10/1 hat eine darüber hinausgehende Faszination für mich. Die Extreme. Sehr schnell, ganz, ganz langsam, noch schneller. Der letzte Satz huscht dahin, dass man sich fragen kann: "war da noch etwas?"

Hans Hartmann
Hans Hartmann Aber ich habe vergessen mich zu bedanken. Ich finde das sehr nett, dass Du dir über ein mögliches Programm Gedanken gemacht hast. Momentan bin ich ja noch ausgelastet: am 30.5. Brahms 34 und am 9.6.Brahms opus 5, 2. Satz. Den kann ich zwar, aber ich spiele ihn auf dem Brahms-Flügel in Mürzzuschlag und ich habe keine Ahnung, wie ich mich auf den Flügel einstellen werde können. Jedenfalls bin ich momentan auf dem pp und ppp-Trip :)

Violine - 19. Mai, 11:44

Danke! Ich halte mich auf FB ziemlich zurück, das stimmt.

Das liest sich herrlich. V.a. der vorletzte Abschnitt, das könnte so in etwa auch von mir stammen in bezug auf die Bach-Sonaten. Da über ich zwar immer wieder rum, mit dem festen Vorsatz, die doch mal ordentlich zu üben, aber irgendwie bleibe ich doch nur beim Üben für den Hausgebrauch.
steppenhund - 19. Mai, 12:07

Ja, das mit dem ordentlich üben ist jetzt meine Pensionspassion. An sich war ich immer ein ziemlich schlamperter Hund. Das lag auch daran, dass ich ja relativ gut vom Blatt spiele. Aber das Feilen, was dann monatelang dauern kann, war nicht meines.
Aber jetzt ist ja mein Ehrgeiz geweckt und ich habe keine Ausrede, wenn ich schlechter spiele als ich es könnte.
Violine - 19. Mai, 12:10

Viel Erfolg und viel Ausdauer wünsche ich Dir!

Ich selbst werde wohl irgendwann wieder Unterricht nehmen und alles auf eine ordentliche Grundlage stellen. Das habe ich nötig.
steppenhund - 19. Mai, 11:43

zum Dirigenten

Ich hatte Gelegenheit, mit einigen berühmten Dirigenten zu sprechen. Bernstein, Fedosejev, Gergjev schienen sehr, sehr freundlich und ließen überhaupt nichts von ihrer einzigartigen Stellung durchblicken.
Mit Gustav Kuhn, Erl Festspiele, habe ich einmal nach einer Wagner-Aufführung "apres-Oper" erlebt. Da war er ganz zahm. Aber er gilt als richtiger Tyrann bei der Arbeit.
Ich habe aber erlebt, dass ich einen Chor ohne Dirigenten am Klavier begleitet habe. Und es war der Horror. Dann kam der Chorleiter und auf einmal hat alles gepasst.
Ich denke, ein Dirigent braucht ein großes Ego, um die Gruppe "zu beherrschen". Als Kasperle kann ich mir nicht vorstellen, dass er sehr viel musikalisch erreichen kann. Aber vielleicht geht es ja doch, wenn Du schreibst, dass er musikalisch gut ist.

Violine - 19. Mai, 11:50

Ich denke, er ist Laienorchester überhaupt nicht gewohnt (mit seinen 67 Jahren sind wir sein erstes). Das wird was ausmachen.
Am Anfang hatte er schwer Mühe, überhaupt zurecht zu kommen. Da geriet ihm alles spitz, was er sagte.
Aber, wie gesagt, ich verstehe ihn nicht, deswegen kann ich ihn wohl auch nicht schlüssig darstellen. Es kommt bei mir einfach Kasperle-mässig rüber. Er lobt über Gebühr - unsere erste Klarinettistin verzieht mittlerweile keine Miene mehr bei seinem (häufigen) Lob ihr gegenüber, weil sie es nicht nachvollziehen kann. Und er kritisiert über Gebühr. Mit dem Ergebnis, dass die erste Cellistin ihn immer mal wieder mit Absicht ärgert.

Bei den Profis kann ich mir vorstellen, dass sie stark auf seine gute musikalische Arbeit reagieren, dass es bei denen deswegen klappt.

Ansonsten: Eine Führungspersönlichkeit muss man schon sein, wenn man ein Ensemble zusammenhalten will.

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